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04. Apr 2013 90

Politisch unkorrekt. - Teil 2

Kreide – weiße Tafelkreide – hoffte ich erwerben zu dürfen, doch wer braucht heutzutage noch Tafelkreide?

Szene 1

Kreide – weiße Tafelkreide – hoffte ich erwerben zu dürfen, doch wer braucht heutzutage noch Tafelkreide?  Eine Schachtel blütenweißer quaderförmiger Tafelkreiden brauchte ich für mein Gewerbe, zu markieren meine Werkstücke, zu beschriften die Einzelteile, Anmerkungen für die Mitarbeiter zu verfassen.

Das Kassentierchen hob die Brauen -  Tafelkreide?  Tafelkreide! Haben wir, und schon wuselt er zur Tafelkreide
Meine Verwunderung, ähnlich der Situation: Man bestellt beim Italiener ein bisteca fiorentina, Wasser im Gaumen und Vorfreude auf 1000 Gramm allerfeinstes Rindersteak und nach geraumer Wartezeit serviert der Ober voller Stolz 15 Gramm Faschiertes an nix.

Das Kassentierchen zeigte auf eine homöopathische Dosis dreier in Kunststoffröhrchen eingesperrter Kreidestiftchen – damit die zarten Kinderhändchen nicht mit dem pfuigacki Kreidestaubi kontaminiert würden und hernach die Displays verstauben würden. Mein Lacher -  voll Verachtung für die hirnamputierten Nintendoiden, Playstationer, Gamer, denn: Wannst net lesen kaunst, brauchst a net schreiben - war in der ganzen Filiale zu hören.
Wos kosn de drei Stangln? Plastifizierte Moleküle  und dreimal nix von Kreide zu Drei Euro Neunundneunzig – des is a Beraubung!

Doch heute? Wenn keiner lesen kann, wozu schreiben? Information wird heut gehört, per Displaywisch das Bild herbeigezogen, im Bluetoothohr allesundnochmehr eingeflüstert und eingeplärrt.

Szene2

Bestelle auf telekommunikativem Weg Ersatzteile zur Reparatur eines KFZ, und so entspinnt sich folgender Dialog: Berger Kfz, Kevin – bitte? Fa. Manfred Schmid, 1140 Gurkgasse 3, meine Kundennummer ist 28547. Wir brauchen für einen Mercedes W123 Bremsklötze vorne und Scheiben hinten. A E Klasse? Nein, ein W123 Baujahr 1983. Wiafü KW? Das ist egal, alle Klötze und Scheiben sind gleich. Wofiabmw? Nein, wir sprachen von Mercedes W123. Ahjo a M Klass Küla. Nein, Bremsklötze vorne und Bremsscheiben hinten. Wofia BMW? Kein BMW, ein Mercedes W123. Dieslodabenzin? Das ist auch egal, alle Modelle haben idente Bremsanlagen.
Ich steige in mein Auto und fahre in Richtung der Fa. Berger um Kevin persönlich kennen zu lernen und telefoniere verbotener Weise während ich mein Auto lenke.

Ifinddennet, do is ka 123a Klasse. Nein, lieber Kevin, das ist keine Klasse, sondern eine Modellreihe von Mercedes die von  1976 bis 1985 gebaut wurde. Bremsscheibn vuan hammanet. Wir sprachen von hinteren Bremsscheiben und vorderen Klötzen. Dehammado. Des woafiade BMWglinig
Zeitgleich betrat ich das Verkaufslokal, fragte nach dem Kevin, erschoß ihn, schloss ihm vorsichtig die Augen und nahm  den I pod aus seinem Ohr.

Szene 3

Heute – was für ein Tag!  Die Teile wären eingetroffen aus Crew für den grünen Bentley Turbo R und so begebe ich mich in den Wiener Schrein der Bentley Boys.

Ich, der Latzbehoste, mit Mercedes Uraltdiesel angereiste Schwarzfingernagel, betrete das Hauptschiff des Bentleydomes durch das  british racing green getäfelte Haupttor und werde von einer dezent getunten Vierzigjährigen nach meinem Namen gefragt und hernach nach meinem Begehr. Artig antworte ich dem Fräulein Rezeptionistin wer ich sei, man mir fernmündlich mitgeteilt habe meine Ersatzteile wären eingelangt.
Mit großer Geste entschwebt Fräulein in prosaischere Gefilde und kehrt mittelbald mit einem Ersatzteilzentauren wieder, welcher mir die passenden Teile standesgemäß verpackt.

Dann entfernten sich beide und eine blonde Elfe  fliegt auf die Bühne die Rechnung im Flügel. Sie fragt nach meinen Zahlungswünschen, erwartet eine goldene Blablacard, ist sichtlich verwirrt  als ich bar zu bezahlen gedenke.
Ausgestattet mit einem ausreichenden Vorrat an Barem in großen Scheinen überrasche ich Elfe mit einer Summe von Eintausendundsechsundsiebzig Euro und 58 Cent.

Entsetzt von der vollkommen undurchschaubaren Ansammlung von Banknoten und diversen metallenen Jetons welche auf dem in kleine Stücke zersägen und wieder zusammengeleimten ehemaligen Urwaldriesen zu liegen kommen versucht Elfe irgendeinen Zusammenhang zwischen der Rechnungssumme von Euro  866,38 und den 2 Fünfhunderteuroscheinen, dem Fünfziger, dem Zwanziger, dem Fünfer, der Euromünze, dem Fünfzigcentstück und den Küpferlingen herzustellen.
Meine Ahnung, dass die Herausgabe von Euro  210,20 eine schier unbewältigbare Aufgabe für Elfe wird, rückt die gesamte Inszenierung ins Zentrum meiner Aufmerksamkeit.

Auch ein herbeigeflogener Taschenrechner bringt keine Linderung der Ratlosigkeit und meine nach einigen Minuten gestellte Frage, ob sie in 4 Jahren Volksschule beim Addieren gefehlt habe trifft auf Verständnislosigkeit .
Ich widme mich einstweilen den ausgestellten Skulpturen und betrachte das  Antlitz eines Continental  und muss – was ich sonst nie tue – den Kühlergrill berühren und - oh Schreck -  was bin ich enttäuscht.

Das Streckgitter eines Bentley Continental Kühlergrills welches unbedingt aus einem Stahldraht handgefertigt, in unzähligen Arbeitsschritten gebogen, verschweißt, poliert, vernickelt, verkupfert und schließlich verchromt  hätte werden sollen ist aber aus spritzgegossenem Plastik gemacht.
Ich werde zum gefällten Urwaldriesen herbeischalmeit, man hat offensichtlich mein Retourgeld gegooglelt oder den Bruggmann von der Wahlgeometrie angesmst. Euro 210,20 liegen in einem Lederetui bereit, wie im Haubenrestaurant, wähne mich ja auch im Haubenautohaus.

Die Plastikelfe ist genauso unecht wie das Streckgitter des Kühlergrills, beide können nix. Das Elferl sollte die Restrooms pflegen und in der Mittagspause das kleine Einmaleins memorieren, der Plastikgrill einen Airfix Modellbausatz zieren, das Empfangspult sollte sich noch im Amazonasbecken, lebend und senkrecht befinden, die Getunte besser al natural zu ihrem Geburtstag stehen, die zuckerwattesüße Servilität eher gerader Kompetenz weichen.

Szene 4

Es ist 14.55. Ich springe aus meinem Auto, laufe durch den Regen in eine Postfiliale, in welcher sich neuerdings auch die Bank für Arbeit und Wirtschaft befindet.

Musste unbedingt Bargeld einzahlen, um mein Konto abzudecken, da amtliche Plünderer schamlos in meine Firmenschatulle gelangt hatten.
Die Bargeldschalter werden von der Post bedient, die Derivatgeschäfte von der BAWAG. Und so stellte ich mich an in der einzigen endlosen Schlange an mein Bares loszuwerden. Von den 5 Postschaltern war immerhin einer geöffnet, der Schaltervertragsbedienstete verkaufte Kugelschreiber und Glückwunschkarten, übergab Zalandopakete , nahm Zalandopakete und die beiden weiteren Postbeamten mühten sich redlich im Lager Pakete zu sortieren.

Meine Sorge wuchs, dass Josef, welchen ich im Auto zurückgelassen hatte erstens Hungers sterben und zweitens  die amtliche Überprüfungsplakette meines Autos ablaufen werde.
Mitten in meine Sorgen hinein wurde ich angeduftet, ein Stimmchen erkundigte sich nach meinem Befinden und ob man mir helfen könne. Die visuelle Einstellung der Stimmeaussendenden erforderte eine 180 Gradwendung und so wurde ich ihrer ansichtig, dreier junger hübscher FrauInnen in Bawag Kostümen gewandet und musikantenstadelartig die mittlerweile herbe Stimmung der Wartenden zu heben versuchend.

Ich, ein seit einem Vierteljahrhundert selbst und ständig erwerbstätiger Automechaniker, hatte sofort einige launige Anmerkungen zur Tätigkeit der drei Grazien parat und ermahnte sie in der nächsten Millisekunde hinter die geschlossenen Schalter zu treten und ihren Arbeiten nachzugehen, statt Cabaret in der Postfiliale zu spielen, da ich ansonsten noch weit launigere Texte für sie alle aufzusagen gedenke.
Was für ein ein Entrüstungssturm brandete in das Foyer, so wären sie noch nie beleidigt worden, sie seien doch keine SchalterarbeiterInnen, und wenn ich partout nicht warten wollte, könne ich doch mein Bargeld dem Automaten anvertrauen.   45.000Euro?  Die Beratungsfähigkeit der drei Nornen erstreckte sich aber nur auf dreistellige Beträge, fünf Ziffern hintereinander könne der Automat nicht verarbeiten.

Knapp vor Kassaschluss wurde ich meine 90 rosa Zettel los, der Postler arbeitete wie ein Uhrwerk, die Bawagmadeln dilettierten weiter Comedy an der Warteschlange und ich eilte zu meinen Wartenden.

Die großen Fische stinken vom Kopf bis zum Himmel, ein gewinnmaximierendes Unternehmenskonzept, geplant und verwirklicht von blutlosen, wirtschaftsuniversitär gebildeten Untoten führt zu derart grotesken Situationen.

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