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06. Sep 2012 91

Warum sind sie so verbissen, die Radfahrer ?

Fahr ich unlängst nach Hause auf der Mariahilferstraße mit meinem Automobil. Der Radfahrer vor mir hat seinen Fahrradhelm am Ellenbogen und verspeist sein Abendmahl mit der Ellenbogenhand, geigelt auf seiner Fahrradspur in derartigen Amplituden, dass ich mit meinem Automobil zwischen dem Überfahren eines Fahrradfahrers und dem Nachzockeln bis zur nächsten Ampel entscheiden darf.
Ich wähle Nachzockeln bis zur nächsten Ampel, hoffe auf einen schnellen Start, doch der Fahrradfahrer befreit mich von der Vorfreude auf ein rascheres Nachhausekommen, weil die roten Lämpchen nur für die Umweltverschmutzer gemacht wurden, für Fahrradfahrer gelten keine roten Ampeln und für ihn besonders nicht.
So fälle ich eine weitere Entscheidung, blende die folgende Sperrfläche aus und überhole meinen  Straßenkameraden bis zur nächsten roten Ampel, überlege die Beifahrertüre zu öffnen, verwerfe den Gedanken, werde von Verbalinjurien des Fahrradfahrers aus dem Denken gerissen.

Was ich Arsch mir so denke und wie gefährlich wir Autofahrer uns noch so gebärden wollten und ob er mir in die rechte Türe treten soll erhalte ich an Text durch mein geöffnetes Schiebedach.

Erinnere mich an meine momentan etwas derangierte Bekleidung, mein wildes Hackleroutfit, meine zwar müde doch üppige Muskulatur,  meine körperliche Konstitution, welche in krassem Gegensatz zu der weberknechtartigen Figur des Radfahrers steht und frage freundlich ob ich nun aussteigen soll.

Der Text erstirbt, der Weberknecht erinnert sich an rote Ampeln, seinen Fahrradhelm und hat auf einmal keine Platzprobleme mehr.

Warum muss ein Urviech erst urbös schauen, einen Satz Glühohren versprechen, bis im Radler  soziale Gene aufwachen?

Szenenwechsel, diesmal Fußgänger:

Bortolotti Paolo, Epizentrum italienischer Eiskultur auf diesem Planeten, Riesenschanigarten, meine Familie und ich angestellt ebensolche Eiskulturen zu erwerben.

Ein durchaus talentierter Inlineskater pflügt durch die wartenden Eiserwerber und deren Kinder, artistengleich umschifft er in unglaublichem Tempo humanoide Torstangen und entschwindet am Horizont.

Überlege einen Zusammenstoß des Racers mit einem meiner Kinder, ein Skaterflüchtiger, der ein möglicherweise schwer verletztes Menschlein auf dem Gehsteig zurücklässt - für die Show quasi.

Bin ein wenig abwesend die Eise für die Kinder zu bestellen und diesmal schmeckt s ein wenig bitter, mein Bacio.

Zufall in Ottakring:

Stelle einer Kundin ihr Automobil nach dem Service zu, da die Dame nicht mehr gut zu Fuß ist seit einem Unfall.
Das Einbahnlabyrinth zu ihrem Wohnort bedarf mehrerer Anläufe, doch die Übung gelingt, sogar ein Parkplatz findet sich und so übergebe ich ihr den Wagen, trete aus dem Haustor und werde überfahren.
Nicht wirklich überfahren, ein Mountainbiker zerschellt an mir und tut sich richtig weh.
Seine erste Entrüstung, verbunden mit launigen Sätzen, relativiert sich als er wieder klar sieht, er gewahr wird dass an ein Fortkommen nicht zu denken ist, da er gegen seinen Willen festgehalten wird.
Die Reise gegen eine Einbahnstraße auf dem Gehsteig findet ein jähes Ende an mir und eine Fortsetzung auf einem Polizeiwachzimmer.

Trotz meiner unbarmherzigen Haltung gegenüber einem Verletzten, der Anzeige wegen Körperverletzung, da auch ich nicht unerheblich zerschunden war und der Ermahnung seitens der Polizei blieb nur Verwunderung beim Fahrradfahrer und offensichtlich keine Erkenntnis für sein Tun.

Wandertag im Wienerwald:

Die beste Ehefrau von allen und alle meine Kinder und die Hunde nörgeln so lange an mir herum bis ich am Sonntagnachmittag einem Ausflug in den Wienerwald zustimme.

Ich nehme das Tragegestell für meinen Jüngsten mit meinem Jüngsten zu meinem Übergewicht und erklimme diverse Hügel  mit meiner Familie.

Ebendiese Hügel erklimmen auch Myriaden von Mountainbikern welche ebenso atemlos wie ich, aber viel schneller auf dem Güterweg unterwegs sind und herbe Kommentare über meine Misthunde und meine unerzogenen Gschroppen aus ihren Lungen pressen.

Um weiteren Diskursen aus dem Wege zu gehen, verließen wir gerade diese Wege und wanderten von nun an auf schmalen Treppelwegen, mieden die Forstwegfahrradbahnen.

Was für ein Fehler unterlief uns da, behinderten wir nun auf unserem Bergabweg die Downhillracer.
Jederzeit eines mit 60 km/H downhillrasenden Waldbikers gewahr zu sein, Kinder und Hunde jederzeit in Schützengräben zu werfen, sich permanent dafür zu entschuldigen, nur zu Fuß zu sein, rüttelte nach einigen Stunden wanderns heftig am Nervenkostüm und ich an einem besonders heftigen Radler, der mich und meinen Jüngsten einfach über den Haufen fuhr.

Wollte der doch tatsächlich sein deformiertes Rad ersetzt haben, daher musste ich ihm einen kompletten Zahnersatz welcher ebenso unbezahlt bleiben würde in Aussicht stellen um ihn wieder auf den Boden des Waldes herunterzuholen.

Erst nach einer massiven physischen Einwirkung meinerseits ohne ihn zu beschädigen wurde er meines weinenden Sohnes gewahr und konnte sein Handeln passend einschätzen und in Folge wie ein Erwachsener handeln.

Der elektrifizierte Radfahrer

Wir sind alle ÖKO und weil das neue Bewusstsein uns alle durchdringt wie eine neue Religion kaufen wir alle die neuen Elektrofahrräder.
Weil die sind intelligent, die Räder, weil die nehmen alle Bremsenergie zum Batterieladen wieder auf und man kann richtig schnell fahren im Sportmodus und spart fossile Energiequellen und ist einfach soooo hip.
 
Vor drei Tagen hatte ich eine ganz besondere Begegnung mit einem Elektroradler, fuhr der doch in einer Dreißigerzone schneller als ich mit meinen 50 Km/h am Tacho und zeigte mir den Vogel und was ich denn für eine Wanderdüne sei und wem ich noch im Wege stehen will.
Traf den „electric man“ nach 15 Minuten beim Fahrradhändler .
Der Elektrische orderte einen Lithiumionenakku mit höherer Kapazität für Euro 498.- und ich einen Fahrradschlauch chinesischer Produktion für 6,78 Euro – weu an Semperitgummi kriagst eh nimmer.
Beim Verlassen des Ladens meines Fahrradhändlers bekam ich noch einen launigen Kommentar des Lithiumionendompteurs nachgeworfen.
Und weil ich schon alt bin und meinen Jüngsten dabei hatte, verließ ich ohne Reaktion meinerseits das Geschäft,  mich kropfert  ärgernd.

Und abends  - der Lithiumfuzzi beschäftigte mich immer noch – begab ich mich ins Netz auf eine Physiksafari. Lithium, das leichteste der Alkalimetalle, reagiert gerne mit vielen Stoffen aus dem Periodensystem, ist in geringen Konzentrationen auf unserer Erde verstreut, brennt gerne, verätzt gerne, muss unter Sauerstoffentzug gelagert werden und lässt sich kompliziert verbaut in einem Lithiumionenakku  bis zu 1000 mal laden.

A propos laden wokommerdennherderökostrom? Natürlich aus einem alten AKW!

Öko ist ausschließlich selber treten und sonst nix!

Das „ hoppla jetzt komm ich“ Selbstverständnis aller, welche schneller als ein gehender Mensch sich fortbewegen  sollte von uns allen neu überdacht werden.

Die Autofahrer alleine - würden sie sich so verhalten wie Fahrradfahrer, Inlineskater, Mountainbiker, Surfer  und was sonst noch so rollt – würden Anarchie erzeugen und unwirkliche Zahlen an Todesopfern verursachen.


Allen Anständigen als Dankeschön und
allen Lustigen ins Stammbuch geschrieben.

top 9
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Kommentare

Mercedes-Reiter-Historic-Racing-Team
17. Sep 2012

Gott sei Dank, ich habe schon gedacht das sei ein Münchner Problem. Als Autofahrer mit Hunden und Familie hatte ich die selben Probleme. Nach einem Selbstversuch mit einem 90 jahre alten AVON Fahrrad, musste ich feststellen es geht auch mit Rücksicht kaum langsamer. Wir haben das Radlfahrerthema nun endgültig gelöst. Du benötigst dazu eine Hundeleine alternativ geht auch der Ellenbogen, einen Klappspaten und einen verlässlichen Zeugen/in. Radlfahrer mit Leine oder Ellenbogen zu Fall bringen, mit Klappspaten verbuddeln - Fertig ! Wir kommen gerne nach Wien und sind behilflich !!

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